Es gibt kaum einen Geschäftsmann in Paraguay, der Maris Llorens nicht kennt. Sie ist die Inhaberin von Frigomerc, einem der wichtigsten Schlachthöfe in Paraguay, verfügt über eine große eigene Rinderzucht, die 20% der Rinder im Schlachthof ausmachen, und ist die Präsidentin von einer Genethikfirma mit dem Namen Viradolce. Seit die gebürtige Schweizerin mit ihrem Mann nach Paraguay kam, hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, die paraguayische Rinderzucht und Industrie weiter zu entwickeln und zu verbessern. Sie erklärte unserer Redaktion, anhand ihrer eigenen Geschichte, warum Paraguay ein Land mit viel Potential ist.
Rafaela Rahmig: Wie hat es Sie damals nach Paraguay verschlagen?
Maris Llorens: Ich selbst kam erst 1985 nach Paraguay, nachdem mein Mann schon seit 1978 in Grundstücke und in die Viehzucht investiert hatte. Ich bin schon in der Schweiz mit der Landwirtschaft groß geworden und hatte daher auch kein Problem damit, in Paraguay mitzuarbeiten und Zeit mit den Rindern auf der Weide zu verbringen. Als ich in Paraguay ankam, war ich mir sofort sicher, dass ich dieses Land nie wieder verlassen werde und genauso war es dann auch. Höchstens für eine Woche Urlaub fliege ich noch manchmal in die Schweiz oder nach Europa.
Rafaela Rahmig: Sie blicken heute auf ein gigantisches Viehzuchtimperium, das zu den größten in Paraguay zählt. Können Sie uns einen Einblick geben in welchen Dimensionen Sie wirtschaften?
Maris Llorens: Wir sind die sechstgrößte Exportfirma in ganz Paraguay, nach Exporteuren von Soja und anderen Feldfrüchten. Alleine in unserem Schlachthof arbeiten 600 Personen, weitere 1.000 Angestellte verteilen sich auf unser Land und auf die Genetikfirma. Bis zu 1.000 Tiere können in den Schlachthöfen von Frigomerc am Tag verarbeitet werden. Insgesamt kann man davon ausgehen, dass Paraguay über einen Viehbestand von 11 Millionen Rindern verfügt. 400 Zulieferer versorgen uns mit Schlachttieren, 20% stammen von unseren eigenen Weiden. Von den 15 exportierenden Schlachthöfen in Paraguay sind nur sechs für die Einfuhr in alle 60 Rindfleisch importierenden Länder der Welt zugelassen. Und wir sind einer von diesen sechs.
Sarah Huber: Das klingt so, als ob Sie in Ihrer beruflichen Laufbahn hier in Paraguay nie mit Problemen konfrontiert waren und Ihnen alles leicht von der Hand ging. Stimmt das?
Maris Llorens: Paraguay ist ein sehr „machistisches“ Land. Als ich Witwe wurde, nahmen alle an, dass ich von nichts eine Ahnung habe und auf keinen Fall in der Lage sein werde, die Geschäfte meines Mannes fortzuführen. Ich habe lange dafür kämpfen müssen, ernst genommen zu werden, obwohl ich schon vor dem Tod meines Mannes die Geschäfte hier in Paraguay führte, während er sich noch in der Schweiz aufhielt. Ich habe mich nie gescheut zu arbeiten und auch mal ordentlich mit anzupacken, wenn dies nötig war. Es freut mich, dass es jetzt mittlerweile ein paar mehr UnternehmerINNEN in Paraguay gibt.
Sarah Huber: Wie steht es um die paraguayische Viehzucht im Vergleich zu anderen Ländern?
Maris Llorens: Paraguay ist weltweit gesehen auf Platz sechs unter den Rindfleischexporteuren. Auf den ersten Plätzen stehen Brasilien und Argentinien. In Bezug auf die Qualität sollte man jedoch hinzufügen, dass die genetische Qualität der Rinder in Paraguay einmalig ist. Früher hat man mehr als drei Jahre gebraucht, um ein Rind mit viel Fleisch auf den Rippen zu erhalten, heute genügen schon 20-30 Monate.
Rafaela Rahmig: Seit wann ist Paraguay denn im Fleischexport wettbewerbsfähig?
Maris Llorens: Früher existierte Paraguay gar nicht als Fleischexporteur. Erst ungefähr seit 2003 kann sich Paraguay auf dem internationalen Fleischmarkt behaupten. Aus dem öffentlichen Sektor muss eine Einladung an die zuständige Behörde im Ausland ausgesprochen werden, damit diese nach Paraguay kommt, um den Fleischsektor für den Export in das Land zuzulassen. Fünf paraguayische Schlachthöfe wandten sich damals mit einem Konzept der Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor an die paraguayische Regierung, um den ausländischen Markt hinzugewinnen zu können. Vor allem mit der Unterstützung des Landwirtschaftsminister Antonio Ibañez konnten dem paraguayischen Rindfleisch die Exportwege frei gemacht werden. Erst seit Juli letzten Jahres konnte Frigomerc die Zulassung für den europäischen Markt erhalten, seit Dezember exportieren wir Fleisch in die EU. Fünf Schnitte sind auf dem europäischen Markt zugelassen. Selbstverständlich nur das Beste vom Besten des Rindes.
Sarah Huber: Nutzen Sie die Kapazitäten des Schlachthofes voll aus oder besteht weiterhin Bedarf an mehr Rindern?
Maris Llorens: Grundsätzlich kann man sagen, dass unser Schlachthof eigentlich immer Bedarf an mehr Rindfleisch hat. Vor allem, wenn wir jetzt auch noch für den US-Markt zugelassen werden, kann man davon ausgehen, dass die Nachfrage nach Fleisch weiter steigen wird. Aufgrund der weltweiten Finanzkrise exportiert Paraguay jedoch seit Anfang des Jahres ungefähr 20% weniger Rindfleisch als im vorangegangenen Jahr. Trotz der Krise lässt sich feststellen, dass dieser Mehrwert eines Produktes nur im Viehsektor erreicht werden kann.
Sarah Huber: Wo siedelt man am Besten eine erfolgreiche Viehwirtschaft an?
Maris Llorens: San Pedro ist meiner Meinung nach der beste Ort für eine Viehzucht. Da der Boden dort besonders fruchtbar ist, kann man durch landwirtschaftlichen Anbau die Mast unterstützen. Die Hektar-preise reichen dort von ungefähr 1.000 bis 5.000 US-Dollar, je nachdem, was sich auf dem Boden befindet.
Rafaela Rahmig: Was sind die positiven und negativen Seiten von Paraguay als Investitionsstandort?
Maris Llorens: Ich betrachte Paraguay als Land mit großer Zukunft. Ein Land das so groß wie Frankreich ist, in dem jedoch nur sechs Millionen Menschen leben, eignet sich hervorragend für Land- oder Viehwirtschaft im großen Stil. Auch die Industrie könnte weiter ausgebaut werden, damit die Rohprodukte in veredelter Form zu einem höheren Preis verkauft werden können. Die Sicherheit ist hier auch nicht besser oder schlechter als in Europa. Es gibt genauso viele arbeitsame und strebsame Leute, die Fortschritt wollen und sich dafür mit aller Kraft einsetzen. Leider treten diese Personen nur viel zu selten an die Presse, so dass meist irgendwelche Gauner- und Skandalgeschichten die nationale und internationale Presse dominieren. Die ganzen Veröffentlichungen über die Landbesitzer haben dem Ansehen von Paraguay sehr geschadet und sind in meinen Augen völlig überzogen gewesen. Privatbesitz wird in diesem Land geschützt und das wird auch in Zukunft so sein.
Rafaela Rahmig: Was ist negativ an Paraguay in Bezug auf die Viehwirtschaft?
Maris Llorens: Paraguay ist in meinen Augen ein hervorragender Produktionsstandort. Das einzige Problem ist der Transport. Da das Land umgeben ist von anderen Ländern und keinen direkten Zugang zum Meer hat, müssen Container mit Fleisch immer erst nach Buenos Aires oder an einen anderen Hafen gelangen, um verschifft werden zu können. Wenn der Fluss oder die Straße gesperrt sind, bekommen wir große Lieferschwierigkeiten.
Rafaela Rahmig: Wir danken Ihnen sehr für das interessante Gespräch.



















