Trotz großer Wasserkraftwerke deckt Paraguay seinen Energiebedarf zu 60% mit Brennholz. Ausgehend von dieser Tatsache entwickelt Michael Becker seine Theorie des wirtschaftlich rentablen „Energiewaldes“. Gemeint ist damit Aufforstung zur Generierung von Holzbrennstoffen. Michael Becker legte unserer Redaktion bei einem Interview seine Vision einer aussichtsreichen Einnahmequelle durch Holzwirtschaft dar.
Rafaela Rahmig (RR): Herr Becker, wie kommen Sie auf die Idee, dass die Brennholzaufforstung finanziell rentabel ist?
Michael Becker (MB): Eine Studie der Interamerikanischen Entwicklungsbank (BID) ergab, dass Paraguay seinen Energiebedarf zu 60% mit Brennholz deckt. Damit wurde belegt, was schon lange vermutet wurde. Berechnungen haben ergeben, dass etwa 40 000 Hektar jährlich aufgeforstet werden müssten, um den konstanten Holzbedarf im Land zu decken. Paraguay ist davon jedoch weit entfernt. Seit dem man sich hier mit dem Thema Aufforstung beschäftigt, wurden insgesamt nur 51 000 Hektar aufgeforstet. Der restliche Bedarf wird immer noch durch Abholzung gedeckt, welche zum größten Teil illegal ist. Das die Waldreserven irgendwann einmal aufgebraucht sein werden, liegt auf der Hand. Ich habe nun angefangen aufzuforsten, weil ich der Meinung bin, dass Brennholz in 10 Jahren, wenn meine Bäume schlagreif sind, Mangelware sein wird.
RR: Wie sehen die Einnahmen durch den Verkauf von Brennholz heute aus?
MB: Als Referenzpreis für Holz wird meist ein Preis von 140 Guarani pro Kilogramm angegeben. In der Realität liegt er jedoch meistens sogar noch darunter. Wenn jedoch erst mal alle nationalen Wälder abgeholzt worden sind, muss Brennholz entweder importiert oder durch Schweröl als Energieträger ersetzt werden. Schweröl ist heutzutage im Verhältnis ungefähr 7 mal so teuer, wie Brennholz. Man kann davon ausgehen, dass der Wert von Holz sich dem Preis von Schweröl annähern wird, sobald die Reserven knapper werden.
RR: Inwiefern haben Sie selbst bisher in ihren eigenen Energiewald investiert?
MB: Seit gut einem Jahr forste ich 70 Hektar Land in Villa Rosario, direkt am Rio Paraguay auf. Es handelt sich in meinem Fall um eine experimentelle Aufforstung, da erst noch herauszufinden ist, welche Baumart in Hinblick auf die Produktion von Brennholz am schnellsten Biomasse produziert. Ich habe jeweils auf 10 Hektar eine Baumsorte gepflanzt, um bei der Ernte vergleichen zu können, welche Baumsorte sich am Besten eignet. Finanziell gesehen kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass man mit Kosten zwischen 1000 und 2000 Dollar pro aufzuforstenden Hektar rechnen muss, nimmt man einen Aufforstungs-Spezialisten unter Vertrag. Zusätzlich muss natürlich auch das Land gekauft werden.
RR: Was unterscheidet Ihre Aufforstung von anderen Aufforstungen in Paraguay?
MB: Im Falle einer Brennholzaufforstung, so wie ich sie betreibe, spielt die Holzqualität keine wichtige Rolle. Viele der Erfahrungswerte, die bisher bei der Aufforstung in Paraguay gewonnen werden konnten, dienten vor allem als Hilfe zur Gewinnung von Holz als Rohstoff zum Möbelbau. Dort spielt die Holzqualität eine vorrangige Rolle, weswegen ich die meisten dieser Ergebnisse nicht für meine Aufforstung anwenden kann. Bei meiner Art der Aufforstung geht es vielmehr darum, so viel Masse wir möglich zu produzieren und momentan bleibt noch die große Frage wie die Bäume angepflanzt und gepflegt werden müssen, damit sie möglichst viel Biomasse in kurzer Zeit produzieren. Das gilt es erst noch herauszufinden.
RR: Aber erzielt man nicht viel höhere Gewinne mit Nutzholz?
MB: Der internationale Holzmarkt steht unter sehr hohem Konkurrenzdruck. Eine Naturkatastrophe kann zur Folge haben, dass plötzlich Millionen Festmeter Holz auf den Markt gebracht werden und der Preis in den Keller fällt. Außerdem sehe ich in diesem Wirtschaftszweig keine großen Zuwachsraten mehr, die beim Energiewaldsektor sehr wohl erwartet werden können.
RR: Wenn ich Sie richtig verstanden habe, interessieren Sie sich nur für den nationalen Markt. Haben Sie daran gedacht, dass dieser zum Großteil aus armen Familien im Inland besteht, die Feuerholz als Energiequelle nutzen?
MB: Das entspricht der Wahrheit. Ich interessiere mich jedoch als Verkäufer mehr für die Industrien und Kooperativen im Land als potentielle Abnehmer, die auch in Zukunft Brennholz benötigen werden. Zum Trocknen von Soja wird zum Beispiel Brennholz verwendet, genauso wie in den Schlachthöfen, in der Getränkeindustrie oder in anderen Betrieben, die mit Dampf arbeiten. Zusätzlich gibt es noch Stahlwerke und die Papierindustrie, die auch in Zukunft Brennholz benötigen werden.
RR: Wo sehen Sie die größten Probleme beim Verkauf von Brennholz?
MB: Brennholz ist sehr wenig wert. So wenig, dass es den Transport kaum wert ist. Geht man mal davon aus, dass nur 15 Tonnen Holz auf einen LKW passen, hat die Ladung Brennholz im Moment einen Wert von 450 Dollar. Wenn dieses Holz weit transportiert werden muss, steht die Ladung in keinem Vergleich zu den Fahrtkosten. Die Infrastruktur in Paraguay ist zudem sehr schlecht. Man müsste also seine Holzplantage an einen strategisch günstigen Ausgangspunkt legen, der im besten Falle auch über den Flussweg zu erreichen ist.
RR: Wie sehen die Pläne für Ihre eigenen Aufforstungsvorhaben aus?
MB: In ungefähr 3 Jahren werden mir erste Erfahrungswerte vorliegen, mit denen weitere Investitionsentscheidungen getroffen werden können. Ich erachte eine Aufforstung erst ab 600 Hektar als wirklich rentabel. Ab dieser Größenordnung können in der Erntephase pro Jahr 50 Hektar kahl geschlagen werden. Wenn weniger als 50 Hektar gerodet werden sollen, lohnt sich der Einsatz modernen Maschinen nicht. Weiterhin schwebt mir eine Weiterverarbeitung des Holzes zu Holzmehl oder Holzchips vor, da diese sich als homogenes Brennmaterial um einiges besser handhaben lassen, als unverarbeitetes Holz.
RR: Vielen Dank für dieses aufschlussreiche Gespräch.
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