Aufforsten im großen Stil

Mit einem Ingenieurstitel und 700 Dollar in der Tasche kam Romano Luis Diel vor 14 Jahren nach Paraguay. Heute ist er der Direktor von Emprendimientos Forestales S.R.L, der größten Aufforstungsfirma in Paraguay und hat mehr als 400 Angestellte unter sich. In einem Interview schilderte er unserer Redaktion seinen schweren Start und die sich nach harter Arbeit mit Hilfe von starkem Durchhaltevermögen einstellenden Erfolge.

Rafaela Rahmig: Als Sie nach Paraguay kamen, mit welchen Problemen hatten Sie zu kämpfen?

archivos_y_obras_ef_srl_281829_200x150Romano Luis Diel: Nachdem ich mein Studium der Forstwirtschaft in Santa Maria, Brasilien abgeschlossen hatte, packte mich die Abenteuerlust. Mit gerade mal 700 Dollar in der Tasche, lauter schlauen Büchern und einem Rucksack voll persönlicher Dinge, kam ich nach Paraguay. Es dauerte einige Zeit bis ich einen brauchbaren Geschäftspartner fand, der mir auch heute noch treu zur Seite steht. Damals war er genauso begeistert wie ich von der Idee eine Forstgesellschaft zu gründen. Einziges Problem: Er hatte genauso wenig wie ich das nötige Kleingeld für die Firmengründung in der Tasche. Es blieb uns nichts anderes übrig, als einen ungedeckten Check beim Notar zu hinterlegen, um 98 Emprendimientos Forestales S.R.L zu gründen.

Rafaela Rahmig: Ab da begann die Erfolgsgeschichte?

Romano Luis Diel: Wir begannen sofort mit unterschiedlichen Aufforstungen in San Pedro und Caazapa. Leider setzte jedoch das El Niño-Phänomen im selben Jahr ungefähr 70% unserer ersten Pflanzungen unter Wasser. Nach diesem Rückschlag mussten wir die Maschinen, die wir gerade gekauft hatten, wieder verkaufen und den Traum der Selbständigkeit etwas verschieben. Ich arbeitete anschließend für Shell Forest, die unterschiedliche Aufforstungsprojekte in großem Maßstab in Südamerika verwirklichten. Die Größenordnungen der Aufforstungen haben mir gefallen, ich wollte jedoch wieder mein eigener Herr werden. Mit der hinzu gewonnen Erfahrung gründeten wir dann 2001 eine Baumschule in Minga Guazu und führten anschließend unterschiedliche Projekte mit immer größerem Erfolg aus.

Rafaela Rahmig: Wie genau sieht ihre Dienstleistung einer Aufforstung für Dritte aus?

archivos_y_obras_ef_srl_28229_200x150Romano Luis Diel: Angefangen bei der Suche nach einem passenden Boden für das Projekt, über die Bodenbearbeitung, Planung der Baumarten, welcher Art der Pflege, dem Anlegen von Wegen, der Inventur des Baumbestandes, der Schätzung des Wertes des Baumbestandes, einer Bestandsaufnahme der zur Verfügung stehenden Mittel, bis hin zu Ernte, Transport und Verkauf, kann unsere Dienstleistung reichen. Viele Kunden reinvestieren wieder in die Aufforstung, nachdem Sie auch über uns das Holz erfolgreich absetzen konnten, deswegen haben wir angefangen uns mit Transport und Vermarktung zu beschäftigen. Für die Aufforstung bieten wir zu Beginn grundsätzlich zwei Vertragsmodelle an, die entweder über 12 Monate oder über 40 Monate laufen. Nach 40 Monaten sind die Bäume ungefähr 9 Meter hoch und selbst wenn der Besitzer die Bäume nicht weiter pflegt, erhält er trotzdem ein hochwertiges Produkt, während nach 12 Monaten eine Pflege weiterhin dringend erforderlich ist. Bei allen unseren Aufforstungsprojekten ist es uns ein Anliegen, dass mit so wenigen Bäumen wie möglich, in der kürzest möglichen Zeit, das höchste Volumen an Holz in bester Qualität entsteht.

Rafaela Rahmig: In welchen Größenordnungen forsten Sie für Dritte in Paraguay auf?

laminas_de_eucalyptus_grandis_200x150Romano Luis Diel: Im Moment haben wir 165 Klienten, die 10 000 Hektar in 13 Departements mit uns aufforsten. Seit man mit dem Aufforsten in Paraguay begonnen hat, sind insgesamt auf 40 000 Hektar neue Bäume gepflanzt worden. Von diesen sind ungefähr 15 000 Hektar von Emprendimientos Forestales S.R.L 15 000 Hektar aufgeforstet worden. Über das Land verteilt befinden sich 6 zentrale Aufforstungsstationen von denen aus unsere Ingenieure arbeiten. Insgesamt sind 400 Leute bei Emprendimientos Forestales angestellt, weitere 10 Angestellte arbeiten für „Transporte Forestales“ und 70 weitere sind bei „Industrias Forestales“ angestellt. Wir sind mittlerweile das größte Aufforstungsunternehmen in Paraguay. Außerdem sind 50% der Baumsetzlinge, die in Paraguay gepflanzt werden aus unserer Baumschule.

Rafaela Rahmig: Welche Baumsorten pflanzen Sie an?

archivos_y_obras_ef_srl_284929_200x150Romano Luis Diel: Das Zugpferd in unserem Geschäft ist und bleibt der Eukalyptos, da diese Baumart gleich mehrere Vorteile vereint: Das Holz ist vielseitig einsetzbar, der Baum wächst schnell und erweist sich zudem als robuster im Vergleich zu anderen Baumsorten. Jedoch bieten wir genauso auch Kiefer, Zeder, Zitrusbäume oder einheimische Bausorten an. Dies hängt ganz vom Kunden ab. Falls der Kunde schon Land erworben hat, ermitteln wir anhand von Bodenwerten und Klima, welche Baumsorte sich für die jeweilige Gegend und in Hinblick auf die geplante Nutzung des Holzes am Besten eignet.

Rafaela Rahmig: Wie schätzen Sie das Aufforstungsgeschäft in Paraguay im Vergleich zu anderen Ländern ein?

Romano Luis Diel: In Hinblick auf die günstigen Immobilienpreise und die geringen Arbeitslöhne ist Paraguay weltweit unschlagbar. Außerdem betrachte ich Paraguay als gesellschaftlich und politisch recht stabiles Land, das in Bezug auf das Thema Aufforstung eine gute Umgebung bietet. Auch die Transportwege stellen kein Problem dar, da über die Flüsse „Rio Paraguay“ und „Rio Paraná“ die Nachbarländer oder der Seeweg gut erreicht werden können.

Rafaela Rahmig: Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.

Wenn Sie Agraringenieur Romano Luis Diel kontaktieren möchten, steht Ihnen das nachfolgende Anfrageformular zur Verfügung:


Zu diesem Artikel ist kein Kommentar möglich!

WERBUNG

Anmelden - Theme by Gabfire themes