Zurück zur Natur. Der „Parque Manantial“ in Hohenau bietet Touristen Ruhe und Abenteuer auf dem Land.
Von Sarah Huber
Als Entwicklungsland ist Paraguay eines der ärmsten Länder der Welt. Dass die Natur des Landes hingegen durch ihre Ursprünglichkeit, ihre besondere Vielfalt an Tieren und Pflanzen und das einzigartige Klima um so reicher ist, gilt seit jeher als unbestreitbar. Immer mehr Menschen lernen dies zu schätzen und erkennen das Potential, das hierin steckt. So auch Ruben Pretzel, ein deutschstämmiger Landwirt aus Hohenhau, Itapúa, 35 Kilometer von Encarnación entfernt. Mit seinem „Parque Manantial“ lockt er Touristen aus aller Welt in das Gebiet des Alto Paraná und verschafft sich so eine zweite Einnahmequelle. „Dies hier ist ein Familienunternehmen, das wir vor 13 Jahren gegründet haben und nur durch Touristen aus dem Ausland weiterhin erhalten können. Bei den Einheimischen ist diese Art und Weise, die Wochenenden und Ferien zu verbringen, leider noch nicht besonders verbreitet“, so Pretzel. Seit der Wirtschaftskrise allerdings blieben mehr Paraguayer zum Urlaub machen im Land. „Aus jeder Krise gehen eben immer auch Gewinner hervor“, schmunzelt er.
Seit 1996 gibt es nun den „Parque Manantial“, der seinen Namen einer Quelle verdankt, die sich im Herzen des 220 Hektar großen Grundstückes befindet. Geplant war das Ganze eigentlich als kleine Ferieninsel für die Familie. Damals 1992 war Pretzel noch Busunternehmer und transportierte Touristen aus den Hotels der Umgebung zu den Jesuitenreduktionen in Trinidad und Jesús und anderem Sehenswerten in der Region. „Ich fuhr die Touristen den ganzen Tag durch die Gegend und immer fehlte ein gemütlicher Ort, an dem man das mitgebrachte Mittagessen einnehmen konnte“, erzählt Pretzel. Deshalb habe er die Leute auf sein Grundstück mitgenommen und alle seien von Anfang an begeistert gewesen. So sei die Idee, eine Art Country Club zu eröffnen, entstanden. Heute handelt es sich um einen Ort, an dem man die Natur genießen kann und gleichzeitig alles Nötige um sich hat. Pretzel beschäftigt 15-25 Angestellte. Bauernhof und Country Club in einem, ermöglichen sowohl abenteuerliche Touren durch die Weiten der paraguayischen Landschaft, als auch gepflegtes Entspannen an der Bar oder am Pool. Seit einigen Jahren gibt es zwei Freibäder, eines für Erwachsene und ein Kinderbecken. Direkt gegenüber befinden sich eine Pizzeria. Zudem können sich die Besucher auch auf einem Volleyballplatz, einem Fußballplatz oder an der Tischtennisplatte austoben. Neben dem Besuch der namensgebenden Quelle oder dem hauseigenen Steinbruch bietet Familie Pretzel Touren durch das Gelände an. Ob mit dem Traktor, auf einer alten Mennonitenkutsche oder der Ladefläche eines Trucks, abenteuerlich sind diese Touren immer. Denn es geht über Stock und Stein und auch durchs Wasser. Der Capiibaryfluss schlängelt sich in unzähligen Kurven durch das Gelände und wer ihn nicht mit dem Kraftfahrzeug durchqueren will, hat die Möglichkeit sich auf einer Seilbahn darüber hinweg zu schwingen. Das acht Kilometer lange fließende Gewässer lädt ebenso zu Schlauchbootfahrten ein. Sehr beliebt sind auch Ausritte auf Pferden.
Da sich der Grillplatz im Freien befindet, hat die Familie vor einigen Jahren einen Festsaal gebaut, der für circa 200 Personen Platz bietet, und wo sich wetterunabhängig Geburtstage oder Hochzeiten planen lassen. Noch kommt die Mehrzahl der Leute hier her, um unter freiem Himmel zu campen. Zwar gibt es einen Bungolow und ein weiteres Zimmer für sechs Personen. Die Nachfrage übersteigt mittlerweile jedoch das Angebot. „Wir haben immer mehr Leute, die hier eine Übernachtungsmöglichkeit suchen“, berichtet Pretzel, „in Zukunft soll der Park daher zu einem richtigen Hotel ausgebaut werden.“ Jetzt schon ist der Tourismus für die Familie neben der Landwirtschaft die wichtigste Einnahmequelle. Die Gäste kommen aus Australien, Großbritannien, Dänemark, aber auch Belgien und Deutschland. Durch die günstige Lage Paraguays inmitten des Kontinents ist es für viele Südamerikareisende ein Durchgangsland. Die Reduktionen, die Wasserfälle von Iguazú und der Itaipú-Staudamm stellen die Hauptattraktionen da.
Pretzel ist überzeugt: „Man muss mehr als acht Stunden pro Tag arbeiten, erst dann kommt man zu etwas“. Deshalb muss auch die ganze Familie mithelfen. Ehefrau Karla war von Anfang an dabei und auch die vier Söhne werden gebraucht. „Wir machen hier alles selbst, zum Beispiel die Rinder impfen, die Fahrzeuge reparieren oder unser Haus bauen. Von klein auf packen meine Kinder mit an.“ Der Zweitälteste möchte den Park einmal vom Vater übernehmen. Er gehört nun der dritten Generation an, die in Paraguay geboren ist. Sein Urgroßvater ist damals von Pommern hierher ausgewandert. Bis heute hat die Familie ihr Deutschtum bewahrt. Wer in den „Parque Manantial“ kommt, wird also sowohl einen bleibenden Eindruck des paraguayischen Landlebens bekommen als auch das Leben und Arbeiten einer typischen Einwandererfamilie aus Deutschland kennenlernen.



















