Nicht nur die Milch machts!- von Rafaela Rahmig
Der erste wirtschaftliche Aufschwung der Mennoniten lässt sich eindeutig dem Ausbau und Erfolg der Milchwirtschaft zuordnen. Der Löwenanteil der heutigen wirtschaftlich fetten Jahre ist jedoch den Innovationen und Investitionen im Bereich der Fleischwirtschaft zu verdanken. Ob Biodiesel die Einkommensquelle Nummer eins der Zukunft wird, bleibt abzuwarten.
Bereits im Jahr 1950, als die Kolonisten in den Bereichen: Fleischprodukte, Futtermittel, Früchte, Gemüse und Milchprodukte erste Überschüsse über den Eigenverbrauch hinaus erzielten, wurde das Chortitzer Komitee LTDA gegründet. Dieser Zusammenschluss der wirtschaftlichen Stränge bildete die Ausgangsposition für das erfolgreiche Wirtschaften der Mennoniten. Eine besondere Rolle in der Wirtschaftsgeschichte der Kolonie Menno kommt der Milch zu, die das Potential einer Haupteinkommensquelle hatte und auch immer noch hat. Der Erfolg der Milch blickt auf eine lange Geschichte zurück. Schon in den ersten kolonialen Anfängen im Jahr 1927 wurden Butter und Käse für den Eigenbedarf produziert. Einige Jahre später, trotz großer infrastruktureller Probleme, konnte die Butter auch in Asuncion verkauft werden, nachdem sie die Reise von 400 km hinter sich gebracht hatte. Erst in Asuncion wurde aus einem Stück Butter eine Marke. Die Einwohner der Hauptstadt gaben den Produkten der Mennoniten den Namen Kleeblatt – „Trebol“- um sie von anderen Produkten unterscheiden zu können.
Schnell wurde dieser Name mit Qualität in Verbindung gebracht, wofür er auch heute noch in Paraguay bekannt ist. Im Jahr 1982 erlaubte eine Maschine der Firma Tetra Pak den Mennoniten, Vorreiter nicht nur beim professionellen Verpacken, sondern auch auf dem Milchmarkt zu werden. Durch einen Kredit der Weltbank wurde dieses Investment in die Milchverarbeitung überhaupt erst möglich, das schließlich zum wirtschaftlichen Aufschwung von Loma Plata führte. Jedoch verharrte die Milchproduktion – und -verpackung nicht auf dieser Entwicklungsstufe, sondern weitere Innovationen im Hinblick auf Verpackung, Geschmack und die Ergänzung um eine Produktlinie für den etwas kleineren Geldbeutel, erlaubten es der mennonitischen Firma, ihren Marktvorsprung beizubehalten. Seit 2000 operiert das Choritzer Komitee zudem in Bolivien auf der Suche nach weiteren Absatzmärkten. 220 bis 330.000 Liter Milch werden heute pro Tag in Loma Plata produziert. Insgesamt haben die drei Mennonitenkolonien einen Marktanteil von ungefähr 70 Prozent am Milchmarkt. Jedoch nicht nur die Milchwirtschaft, sondern auch die Viehwirtschaft trägt zum Wohlstand der Mennoniten bei. In den 60er Jahren wurde innerhalb der Kooperative die Viehzucht als Wirtschaftszweig etabliert, der sich schnell zu einem Erfolgsmodell entwickelte.
Im Jahr 2002 wurde der Fleischverarbeitungs- und verpackungskomplex FrigoChorti gebaut, der einer der größten in Paraguay ist. Vor allem seiner Lage inmitten des Chacos, wo die Tiere auch gezüchtet werden, ist es zu verdanken, dass Stress durch einen langen Transport vermieden werden kann. Heute erzielt die Initiative den höchsten Absatz durch Fleisch, das zu 75% ins Ausland exportiert wird. Bis zu 900 Rinder können pro Tag im mennonitischen Schlachthof verarbeitet werden, wenn die Produktion und Verarbeitung von Fleisch nicht gerade wegen Trockenheit zurückgefahren werden muss. Dieser Rückgang hängt damit zusammen, dass ungefähr 1.200 Liter Wasser pro Rind gerechnet werden müssen. Vor allem das Klima stellt eine besondere Herausforderung der Fleisch- und Milchwirtschaft dar. Außentemperaturen von manchmal über 45 Grad müssen in den Kühlhäusern bis auf –35 Grad heruntergekühlt werden. Nicht umsonst hat die Anlage eine Kapazität von 600 Tonnen Fleisch: Innerhalb von einer Stunde können bis zu 80 Rinder zu essfertigen Schnitzeln verarbeitet werden, und ungefähr 7.000 kg Wurst werden am Tag produziert. Insgesamt sind 332 Angestellte in der Fleischproduktion tätig. Eine besondere Eigenschaft der Schlachtanlage ist, dass sie besonders umweltschonend arbeitet und keinerlei Abfälle anfallen. Bis hin zu den Hufen und Knochen wird wirklich alles verarbeitet. Besonders stolz weist Walter Ratzlaff, der von der Kolonie für den Tourismus Verantwortliche, auf die Knochenmehlverarbeitung hin. Die Modernität und Fortschrittlichkeit der mennonitischen Fleischproduktion ist vor allem dafür verantwortlich, dass sich die Produkte auf dem überaus heiklen Fleischmarkt anderer Länder etablieren konnten. Vor kurzem konnte Chile als Abnehmer hinzugewonnen werden, ein Land, dass, obwohl es große Anforderungen an die Qualität und Verarbeitung des Fleisches stellt, aufgrund kurzer Transportwege und guter Zahlungmoral als überaus rentabel eingeschätzt werden kann. Ob die gerade im Moment getätigten Investitionen in den Biodiesel als neue Branche genauso erfolgversprechend sind wie der Fleisch- und Milchmarkt, wird die Zukunft zeigen. Die Vergangenheit hat jedoch oft gezeigt, dass die Mennoniten über den richtigen Riecher verfügen!



















