Von Tabea Vorwergk
Seit April dieses Jahres soll eine großangelegte Wiederaufforstungskampagne die Umwelt Paraguays grüner, vitaler, ja lebenswerter machen. Der Geschäftsführer von Radio Nañduti hat die Initiative ins Leben gerufen, inzwischen ist sein Vorstoß zur Chefsache des „World Wide Fund of Nature“ (WWF) geworden.
Das Projekt fußt auf dem Wunsch, die Bürger des Landes aktiv in den Prozess der Wiederaufforstung zu involvieren. Am Ende sollen 14 Millionen neue Bäume gepflanzt sein, die eine Fläche von 15 000 Hektar neu begrünen, eine Fläche, so groß wie das gesamte Stadtgebiet Asuncións. Dabei sollen 85% der Pflanzungen den sogenannten Atlantikwald des Alto Paraná wiederbeleben, die restlichen 15% werden urbane Plätze, Parks und Straßen säumen.
An der Umsetzung arbeiten derzeit diverse Umwelt- und Privatunternehmer, darunter Regierungs-und Nichtregierungsorganisationen, ebenso wie lokale und internationale Verbände. So schenkte die Firma Mundo Hispano erst am Montag 3 000 Schülern in Capiatá einen Setzling. Bei der kleinen Übergabefeier im Gebäude der Stadtverwaltung versprachen die Kinder, die Bäumchen gemeinsam mit ihren Familien zu pflanzen und zu pflegen. Am 24. Juli wiederum kündigte auch das größte paraguayische Kommunikationsunternehmen COPACO an, sich an der Kampagne zu beteiligen. Auf 13 Hektar Land werden sie insgesamt 2 000 Bäume pflanzen, die ersten 500 sollen bereits in den nächsten sechzig Tagen stehen.
Nun könnte man sich fragen, woher der gesammelte Ehrgeiz rührt. Der WWF begegnet dieser Frage mit einer Reihe nüchterner Zahlen, die das drastische Ausmaß der bisherigen Umweltzerstörung im Land verdeutlichen. Die Waldfläche im Alto Paraná zählte ehemals etwa 9 Millionen Hektar, war demnach ein mehr als überragendes Ökosystem. Über Jahrzehnte hinweg erreichte Paraguay jedoch Abholzungsraten von etwa 140 000 Hektar jährlich. Das Land spielte damit in einer Liga mit einem der weltgrößten Kahlschlag-Länder, der USA, belegt weltweit sogar Platz zwei unter den Waldvernichtern. Doch wird die paraguayische Gesellschaft langsam wach. Im dem noch jungen Gesetz zum Abholzungstop findet das wachsende Umweltbewusstsein der Bevölkerung seine politische Manifestation. Derzeit werden jährlich nur noch zwischen 6 000 und 10 000 Hektar gerodet. Umweltschutz und wirtschaftliche Interessen konkurrieren jedoch nach wie vor miteinander.
Etwa 1,3 Millionen Hektar Wald von ehemals neun sind Paraguay heute noch geblieben. Angesichts des Klimawandels gewinnt das Ökosystem Wald jedoch immer mehr an Wert. Die grüne Lunge vermag die Folgen der menschlichen Umweltbelastung zumindest teilweise abzufedern. Nicht zu vergessen tausender Tier- und Pflanzenspezien, die dort ihre Heimat haben.
Problematisch ist vor allem auch, dass die spärliche Waldfläche, die bis heute überlebt hat, keinen geschlossenen Raum, sondern mehr doch einen grünen Flickenteppich im Land bildet. Diese Tatsache hat zur Folge, dass viele Arten, die weitflächige Gebiete als Revier beanspruchen, kaum die Chance haben, sich weiter auszubreiten oder gar zu vermehren. Im Rahmen der Aufforstungsaktionen der Kampagne „ Für unser aller Lunge- Paraguay atmet“ versucht man deshalb speziell sogenannte Waldkorridore anzulegen, die die einzelnen Forste zu großflächigeren Gebieten verbinden.
Am vierten April war das Umweltprojekt in einem öffentlichen Akt im Teatro Municipal gestartet und befeiert worden. Man wolle nicht nur den Atlantikwald ersprießen lassen, sondern gleichzeitig den öffentlichen Raum der Städte renovieren und so die Lebensqualität dieser Gebiet erhöhen, hieß es. Natürlich kann auch diese Kampagne nur ein weiterer Schritt im Prozess einer zunehmenden Umweltfürsorge der Nation sein. Nun ist es wichtig, dass die Begrünungsinitiative nicht lediglich zur Imagekampagne einer Hand voll Trittbrettfahrer mutiert.



















